Elitepartner Dr. Jost Schwaner macht den Türsteher

Sein „elitärer Club“ soll also der Zielgruppe, „Akademiker und Singles mit Niveau“, „vorenthalten“ bleiben. Weiß Mister Eliteschnösel eigentlich, was er da redet?

Dass auch die Rechtsauffassungen der von Dr. Jost Schwaner geführten Unternehmens zu Verbraucherrechten mitunter „elitär“ bis zur Einsamkeit sind, kann man übrigens auf den Seiten der Verbraucherzentrale Hamburg nachlesen, die nach eigenen Angaben den Betreiber von Elitepartner.de, die EliteMedianet GmbH, in der Vergangenheit bereits erfolgreich auf Unterlassung in Anspruch genommen hatte. Hintergrund war das Verhalten der EliteMedianet GmbH gegenüber Kunden bei Geltendmachung des gesetzlichen Widerrufsrechts, das von Gerichten offenbar bereits mehrfach als rechtswidrig beurteilt wurde. In Internetforen berichten Nutzer in diesem Zusammenhang übrigens von angeblichen Wertersatzforderungen der EliteMedianet GmbH an ihre Kunden in Höhe von EUR 15,00 pro versendeter und EUR 35,00 pro gelesener Nachricht. Diese Forderungen als lächerlich zu bezeichnen, wäre wohl etwas untertrieben.

Callcenterprofi barmt: Trillerpfeifen-Angriff ein Fall für den Staatsanwalt

Nein, er meint nicht kriminelle Werber. Er meint die genervten Angerufenen. Aber der Reihe nach.

Unter der Überschrift „Bei Anruf Körperverletzung“ berichtet das Kampforgan der deutschen Telefonwerbeindustrie über Angriffe von Personen, die von Callcentern angrufen wurden und sich per Trillerpfeife zur Wehr setzten.

Sauer stößt Autor Jünger insbesondere auf, dass RTL-Moderator Steffen Hallaschka in der Sendung Stern-TV etwas flapsig meinte, gegen Telefonterror solle ja auch ein beherzter Pfiff in die Trillerpfeife helfen, sofern man es mit Menschen am Telefon zu tun habe. Man mag über derartige Tipps zu Recht streiten; der Antispam e.V. rät von solchen Mitteln jedenfalls ab, weil sie für wenig sinnvoll und rechtlich grenzwertig gehalten werden. Ich teile diese Auffassung. Klug geht anders.

Jünger berichtet nun über die angeblichen Folgen einer ähnlichen Aufforderung in einer früheren Stern-TV-Sendung:

Bereits zwei Tage später waren zwei dokumentierte Fälle bekannt, in denen Agents tatsächlich mit derartigen Lärmattacken angegriffen wurden und sich in Folge dessen in ärztliche Behandlung begeben mussten.

„Lärmattacken“ also. Der Geschäftsführer der UniCredit Direct Services lässt sich zitieren unter anderem wie folgt:

Auch im Call Center der UniCredit Direct Services hat es derartige Vorfälle gegeben, die zu Knalltraumata, Tinnitus und Hörstürzen in der Belegschaft führten. Einige gehen mit Hörgeräten weiter ihrer Beschäftigung nach – andere konnten danach nicht mehr im Call Center arbeiten.

Rechtsanwalt Manuel Schindler, Vizechef des Callcenterverbandes e.V. und bestens vernetzt mit allerlei Akteuren der Werbebranche meint, ein Trillerpfeifeneinsatz gegen Agents treffe 

grundsätzlich die Falschen und wird nicht dazu führen, dass sich die schwarzen Schafe der Branche in Zukunft läutern.

Ach. Ob das womöglich daran liegt, dass die „Richtigen“ sich permanent hinter den „Falschen“ verstecken? Schindler zufolge handle es sich jedenfalls 

bei einer Trillerpfeifenattacke um Körperverletzung und damit eine Straftat

Schindler rate,

nach einer tatsächlich stattgefundenen Trillerpfeifenattacke gegen den Täter im Rahmen eines Strafverfahrens vorzugehen und nach einer Verurteilung darauf öffentlichkeitswirksam hinzuweisen

Ich meine: Super Idee, Kollege Schindler!

Nur zu, liebe Freunde und Knechte der exzessiven Werbetelefonie! Geht mal fix zum nächsten Staatsanwalt und heult Euch wegen jedem „Arschloch“ oder „Blödmann“, das ihr womöglich täglich von entnervten Angerufenen an den Kopf geworfen bekommt, aus. Legt dabei am besten auch die Datenlisten vor, die Euch Eure Chefs zum Abtelefonieren vorlegen. Man möchte doch wissen, dass man ja den richtigen Trillerpfeifen-Straftäter anzeigt!

Ok, blöd vielleicht, dass es sein könnte, dass ihr dann ein wenig Ärger bekommt.  Es soll ja schon vorgekommen sein, dass die Datenbestände irgendwo zusammengeklaut worden sind. Wäre natürlich ungünstig. Zumindest für Euren Chef. Spätestens dann aber wahrscheinlich auch für Euch. Hmm.

Ach ja, und als Callagents könntet ihr womöglich auch etwas persönlich bei der Sache mitnehmen. Einen wunderschönen Bußgeldbescheid der Bundesnetzagentur wegen unerlaubter Telefonwerbung beispielsweise. Mit persönlicher Gravur im Adressfeld. Die Ordnungswidrigkeit begeht auch der Callagent. Nicht schön für Euch.

Aber Ihr hofft, dass niemand von den Behörden weiß, dass Ihr nach der hundertsten Beleidigung durch den Angerufenen irgendwann mitbekommen habt, dass das mit den Opt-Ins nicht ganz so blitzblanksauber sein kann, wie Euer Chef das jeden Morgen verkündet? Nun, dafür gibts ja die lieben Callcebnterkollegen. Die können manchmal so furchtbar schwatzhaft sein … Einer reicht da meist völlig aus.

Okay, dann könnte es natürlich auch noch sein, dass der Staatsanwalt Euch am Ende erklärt, dass es sich bei der Trillerpfeifenattacke womöglich um eine gerechtfertigte oder entschuldigte Handlung wegen eines gegenwärtigen rechtswidrigen Angriffs auf das Persönlichkeitsrecht des Angerufenen handeln könnte. Damit kann er meinen, dass er das juristisch einfach so sieht, oder dass er einfach keine Lust hat, sich mit so einem Müll abzugeben. Kommt letztlich auf’s Gleiche hinaus. Zwar liegt ohne Zweifel ein Angriff des Angerufenen gegen Euch vor. Aber erst nach einem Angriff von Euch gegen geschützte Rechtsgüter des Angerufenen. Mit Euch als unmittelbarenTätern. Riecht schwer nach Notwehr. Milderes Abwehrmittel? Da muss man gut nachdenken, denn erfahrungsgemäß ist es mit einfachem Auflegen gerade nicht getan, weil immer wieder angerufen wird. Außerdem: Wer muss hier eigentlich auflegen? Recht muss dem Unrecht nicht weichen, so lautet ein Grundsatz unter Juristen. Schon mal was gehört von dem Fall von dem Zuhälter, der nen Nazi durchs Autofenster erschossen hat, weil der mit nem Baseballschläger angegriffen hat? Nun ja ne Nummer kleiner, aber nach dem Prinzip dürft Ihr Euch das vorstellen, was ich meine. Denn es dürfte sich ja hier wohl um Fälle von offenbar unerwünschter Outbound-Telefonie handeln. Gibt schließlich eher wenig Leute, die irgendwo selbst anrufen, um dann dort per Trillerpfeife einen „Lärmangriff“ zu starten. So ein bisschen Ohrensausen ist da halt schon mal drin bei dem einen oder anderen unbeherrhscten Zeitgenossen, den Ihr auf die Palme gequatscht habt. Ihr regt Euch nun also auf, dass Ihr andere Leute belästigt und die sich dann wehren? Mutig, wenn das mal nicht nach hinten losgeht.

Also vielleicht auf dem Weg zum Staatsanwalt doch nochmal vorher nen kleinen Umweg zum Anwalt machen? Tipp: Falls Ihr in einem etwas „innovativeren“ Callcenter sitzt (Ihr wißt schon, Anrufe unter Fremdidentität, „Negativverkäufe“ und so Späßchen), dann nehmt mal lieber gleich einen Strafverteidiger. Die wissen wenisgtens, wo so richtiug dicke Probleme auf Euch lauern könnten. Gut, mag sein, dass die Euch raten, schön ruhig zu sein und direkt wider nach Hause zu marschieren. Aber immer noch besser, als wenn sie Euch auf dem Revier gleich mal dabehalten.

Das war’s? Naja, noch nicht ganz vielleicht. Falls Ihr den Ordnungshütern dennoch angegeben haben solltet, wer Ihr seid und für welches Callcenter und womöglich unter welchem Decknamen Ihr beleidigt wurdet, könnte es natürlich sein, dass sich allerlei Personen mit Euch beschäftigen wollen. Personen, die Ihr öfter mal angerufen habt. Stichwort Schandesersatz. Eine günstigere Gelegenheit, solche Informationen urkundlich aus einer Akte zu erhalten, kommt schließlich nicht alle Tage. Könnte womöglich teuer werden. Also doch eher die Klappe halten? Vielleicht. Oder ruft einfach mal bei Herrn Schindler an und fragt, ob Ihr da was falsch verstanden habt oder wie er sich das eigentlich so genau vorgestellt hatte mit den Strafanzeigen.

Aber macht mal ruhig.

Atomlobby: Ich hätte dann gern einmal was von dem Baring dort

Kommentar

Das ganze mit veröffentlichten Kampagnenpapieren. Glückwunsch an die Rechercheure der taz.


Kommentar

Der ach so unabhängige Historiker Arnulf Baring habe sich demnach von der Medienagentur „zuarbeiten“ und bezahlen lassen. Peinlich, peinlich.

Aber es geht noch schöner: Wie immer, wenn man erwischt wurde, will’s niemand gewesen sein und zur Freude des allgemeinen Publikums belastet einer den anderen.

Der Ökonomieprofessor und Leiter des Instituts für Management an der Berliner Humboldt-Universität Joachim Schwalbach (taz: „Professor Dankeschön“) hatte die Tatsache, dass die seitens des Deutschen Atomforum, der Lobbyorganisation der deutschen Atomkraftwerksbetreiber, in Auftrag gegebene Studie „Gesellschaftsrendite der Kernenergie“ letztlich nicht fertiggestellt wurde, damit begründet, dass er kein „Gefälligkeitsgutachten“ habe fertigen wollen.

Hierauf kontert der Chef des Atomforum, man habe natürlich kein Gefälligkeitsgutachten in Auftrag gegeben. Die Studie sei mangelhaft gewesen, das Thema verfehlt worden. Aber die Bitte, das Projekt und dessen Entgelt über Schwalbachs Ehefrau Astrid Drabant-Schwalbach laufen zu lassen, sei auf Wunsch von Schwalbach gekommen.

Schwalbach, der selbst gern für Anstand im Wirtschaftsleben plädiert („Gegen den Madoff im Manager“), wird sich womöglich bei seiner Frau, die unter der Geschäftsbezeichnung“GlobalKomm“ Kommunikations- und Managementberatungsleistungen anbietet, womöglich mal selbst Tipps in Sachen Reputations-Management geben lassen müssen. Eigentlich ist Joachim Schalbach ja selbst der Fachmann auf diesem Gebiet, aber vielleicht ist ihm auch momentan selbst ein wenig der Blick für’s Große und Ganze abhanden gekommen.

Ganz großes Kino.

Nur falls es bald still und heimlich verschwinden sollte …

„Informationskreis KernEnergie“ (ein Lobbyistenverband der Kernenergiewirtschaft), zum Thema „Reaktorschnellabschaltung“ auf kernenergie.de:

Erdbebenvorsorge

Deutsche Kernkraftwerke sind auch gegen Einwirkungen aus Erdbeben ausgelegt, was in den Genehmigungsverfahren zu Errichtung und Betrieb nachgewiesen werden muss. Als Bemessungserdbeben für die Sicherheitsauslegung ist das Erdbeben mit der für den Standort größten Intensität anzunehmen, das unter Berücksichtigung einer größeren Umgebung des Standortes (bis etwa 200 km vom Standort) nach wissenschaftlichen Erkenntnissen auftreten kann. Der Nachweis schließt alle relevanten Bauwerke, Systeme und Komponenten einschließlich der seismischen Instrumentierung ein und soll zeigen, dass die Erdbebeneinwirkungen soweit abgetragen werden können, dass alle Sicherheitsfunktionen, um den Reaktor sicher abzuschalten, im abgeschalteten Zustand zu halten und die Nachwärme abzuführen, erhalten bleiben und eine unzulässige Freisetzung radioaktiver Stoffe in die Umgebung verhütet wird. Der Nachweis wird auch im Rahmen der 10-jährigen umfassenden Sicherheitsüberprüfung auf seine Gültigkeit überprüft.

Kernkraftwerk Fukushima I, Block 1, Inbetriebnahme 1971, „Expected shutdown date: 03.2011“ (Wikipedia unter Verweis auf cjbt.org).

Könnte „klappen“.

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