LG Krefeld: Krefelder Datenhändler William Filsinger erstinstanzlich zu 4 Jahren und 10 Monaten Haft verurteilt

Im Laufe des Prozesses wurden mehrere Zeugen gehört, die zum Teil zweifelhafte Aussagen tätigten. So wurde heftig darüber gestritten, ob Filsinger Daten aus dubiosen Gewinnspiellisten nicht nur angekauft habe oder ob er dabei auch angebliche Forderungen gegen die gelisteten Personen miterworben habe. Angaben der WZ zufolge wurde ihm vorgeworfen, mit den erworbenen Datensätzen dann Forderungsschreiben an zahlreiche Personen gefertigt und versandt zu haben.

Hier eine Liste der erschienenen Gerichtsreportagen der WZ zum Thema:

Artikel vom 20.03.2012 „Betrug mit Internet-Daten vor Gericht“
Artikel vom 27.03.2012 „Betrugsprozess um Adressdaten: Geldeintreiber prüften Forderungen nur lax“
Artikel vom 02.05.2012 „Datenbetrug-Prozess: Opfer erhielten Post von Inkassofirmen“
Artikel vom 20.06.2012 „Betrugsprozess um Adressdaten: Zeugen haben selbst keine weiße Weste“
Artikel vom 18.09.2012 „Betrug mit Adressen: Prozess stockt“
Artikel vom 20.11.2012 „27-Jähriger soll Tausende betrogen haben“
Artikel vom 10.12.2012 „Gericht: Über Inkassobüro 280000 Euro eingenommen“
Artikel vom 15.01.2013 „Inkasso-Betrug: 1,35 Millionen Euro Schaden“
Artikel vom 25.01.2013 „Prozess gegen Adressenhändler: Zeugen widersprechen sich“
Artikel vom 31.01.2013 „Datenhandel: Opfer abgezockt“
Artikel vom 06.02.2013 „Fast fünf Jahre Haft für den Datenhändler“

Gegen William Filsinger bzw. mit ihm in Verbindung stehende Gesellschaften hatte die Staatsanwaltschaft Krefeld Ende 2011 erfolgreich vorläufige Sicherungsmaßnahmen beantragt, die im Zusammenhang mit folgenden Gewinnspielen

Allianz-Tipp ABO
Big 7 Corporation
Bonusrunde 100
Deutschlandtipp
Die Gewinnchance 24
Deutschland sucht den Supermillionär
DSM24
Easywin
Garantie 500
Giantwinner
Hol dir den Preis
Ihr Bonusvorteil
Ihr Premiumanteil
Jackpot77
Max Vorteilsgemeinschaft
Maxi Win Plus
Maxikombi100
Maxxikombi 100
Superbonus49 AN
Tipalianz
WinnTeam77

stehen sollen. Ob und inwieweit die in der Meldung zu den vorläufigen Sicherungsmaßnahmen erwähnten Vorgänge auch Gegenstand des nun erstinstanzlich abgeschlossenen Stafverfahrens vor dem Landgericht Krefeld waren, ist nicht bekannt, auch wenn aufgrund der Schilderung der WZ recht nahe liegt, dass ein Zusammenhang besteht.

Letztlich hielt das Gericht die gegen William Filsinger erhobenen strafrechtlich relevanten Vorwürfe offenbar für erwiesen und stützte sich dabei unter anderem auf die außerordentlich illustre Aussage aus einem polizeilichen Abhörprotokoll:

„Bei den Leuten können wir nochmal so richtig reinballern.“

Der WZ zufolge sei ein Schaden von 1,35 Millionen Euro entstanden. Nach zwei Jahren Untersuchungshaft sei gegen William Filsinger Haftfortdauer angeordnet worden.

Sollte am Ende des Verfahrens eine rechtskräftige Verurteilung stehen, würde hierdurch die zivilrechtliche Durchsetzung von Rückforderungsansprüchen gegenüber den in die Inkassomaßnahmen verwickelten Personen wegen – etwa aus Angst und Verunsicherung – bereits gezahlter „Gewinnspiel“entgelte deutlich erleichtert.

Da die Entscheidung nach hiesigem Kenntnisstand nicht rechtskräftig ist, gilt derzeit die Unschuldsvermutung.