Gewinnspielmafia: StA Krefeld liefert

Wie die Westdeutsche Zeitung in ihrer Onlineausgabe berichtet, hatten am Dienstag, den 08.11.2011 Fahnder der „EK Call“ mehrere Wohungen und Geschäftsräume in Krefeld und Speyer durchsucht. Den Berichten der Staatsanwaltschaft Krefeld und der Kriminalpolizei Krefeld zufolge hätten dutzende Callcentermitarbeiter die vorwiegend älteren Personen nicht nur versucht, per Kündigungsmasche in ein Vertragsverhältnis zu ziehen, sondern dies seien bei kritischen Nachfragen obendrein „tyrannisiert, massiv bedroht und beschimpft“ sowie die Mitschnitte klar durch Einfügen von Tonausschnitten an anderer Stelle manipuliert worden. Angerichteter Schaden: bis zu 13.000 Euro pro Person. Die WZ zitiert Ermittlungsleiter Fier: „Angehörige von Geschädigten haben uns mitgeteilt, dass sie nun verstehen, warum es von Oma und Opa keine Weihnachtsgeschenke mehr gegeben hat.“ In einigen Fällen sei erst den Erben aufgefallen, dass die Verstorbenen zu Lebzeiten Opfer der Betrügern geworden waren. Bei den Agenten soll es sich um Schüler, Studenten und Hartz-IV-Empfänger handeln. Laut Staatsanwalt Thomas Pelka seien die Ermittlungen durch hunderte Strafanzeigen, darunter auch wegen beleidigenden und bedrohenden Handlungen ins Rollen gekommen.

Für jeden Leser dieses Blogs und die meisten betroffenen nichts Neues. Ja so sieht das aus, wenn Arbeitsagenturen kriminelle Callcenter mit „Kunden“ beschicken. Aber schön, dass die Agenturstatistik stimmt.Vielleicht wacht aber der eine oder andere noch schläfrige und bei solchem Sachvortrag ungläubig dreinschauende Zivilrichter nun endlich auch mal auf und versteht, was hier gerade abgeht. Es lässt sich nun wieder mal in einem Pressebericht einer Polizeibehörde nachlesen. Unser Kanzlei“rekord“ steht derzeit bei einem angerichteten Schaden von 38.000 in 1 1/2 Jahren.

Ein Angehöriger eines Betrugsdezernats einer Landesermittlungsbehörde drückte mir die Bedeutung des Phänomens Gewinnspielmafia gegenüber kürzlich sinngemäß so aus: „Die meiner Einschätzung nach vom Schaden her größte kriminelle Vermögensverschiebung der letzten zehn bis fünfzehn Jahre“. Nun denn – er muss es wissen.

Update:

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