StA und Kripo Würzburg: Internationale Ermittlungsaktion gegen Scheinverbraucherschützer führt zu Verhaftungen

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Wie die auf dem Presseportal der bayerischen Polizei berichtet wird, wird dort seit Jahresbeginn ein Großverfahren wegen des Verdachts des bandenmäßigen Betriges zum Nachteil von Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet geführt. Im Rahmen einer internationalen Aktion, an der Polizeidienststellen aus vier Bundesländern sowie Spezialeinheiten aus dem benachbarten europäischen Ausland beteiligt gewesen seien, seien nach Durchsuchungen in 24 Objekten nun auch vier Hauptverdächtige verhaftet worden.

So seien größere Geldgewinne sowie Oberklasse-Fahrzeuge versprochen worden, wobei hierfür Vorauszahlungen gefordert wurden. Selbstverständlich wurden derartige Gewinne nie ausgezahlt; das von Opfern gezahlte Geld wurde sofort auf Auslandskonten transferiert.

Opfer wurden speziell ältere Personen und insbesondere solche, die bereits massiv von unerbetener Telefonwerbung betroffen waren. Hierfür erwarben die Verdächtigen offenbar illegal Datenbestände, die zuvor bereits für andere cold calls verwendet worden waren. Sodann seien die Verdächtigen an ihre Opfer telefonisch herangetreten und hätten Schutz vor illegalen Gewinnspielanbietern, Rechtsberatung, Löschung aus illegalen Adresslisten sowie Sperrlisteneinträge offeriert. Natürlich seien auch diese Leistungen nicht erbracht worden.

Seien die Opfer später misstrauisch geworden und hätten die Entgelte nicht zahlen wollen, so seien sie mit Mahnungen, sowie der Androhung von Inkassomaßnahmen und gerichtlichen Schritten traktiert worden.


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Bei den geschilderten Gewinnversprechen handelt es sich um eine spezielle Form des Vorschussbetruges, denn die ganze story von gewonnenen Mercedes-Karossierien sowie die bodenlose Heuchelei a la Verbraucherschutz dient nur der Erschleichung des Vertrauens, um an das „vorgeschossene“ Geld zu kommen.

Auch hier wurden etliche Anrufe dieser Art verzeichnet. Da in einem Fall mit Recht geschickter Begründung sogar Beträge im Bereich von mehreren tausend Euro verlangt wurden, dürfte bei den Opfern, die darauf hereinfielen, mit hohemSchadensumfang zu rechnen sein. Überweisungen wurden in den hier beobachteten Fällen übrigens nicht nur an insoweit leider berüchtigte Dienstleister für anonyme, also nciht nachverfolgbare Zahlungen wie Western Union, Moneygram oder per UKash-Karte verlangt, sondern unter anderem auch auf Konten der Postbank. Es ist denkbar, dass diese von Strohleuten und/oder unter Angabe falscher Personalien eröffnet wurden. In jedem Fale dürften die Gelder umgehend abflossen sein.

Aufgrund der Vorkommnisse und der sich nun abzeichnenden Entwicklung wird die Kanzlei Richter Berlin zu gegebener Zeit bei den Ermittlungsbehölden Akteneinsicht beantragen, um für Mandanten die Geltendmachung von Ansprüchen zu prüfen.

Auch wenn damit gerechnet werden muss, dass Betrügerbanden für diesen Fall in gewissem Umfang vorgeplant haben dürften, ist zu beachten, dass bei Straftaten dieser Art im Rahmen der Geltendmachung von Ansprüchen häufig Vorsatzfeststellungen möglich sind, die dazu führen, dass alle entsprechend beteiligten Täter nicht nur als Gesamtschuldner (alle zusammen nur einmal, aber jeder nach Wahl des Opfers in vollen Höhe) haften. Vielmehr können sie sich nach Vorsatzfeststellung auch weder auf die üblichen Schuldnerschutzvorschriften berufen und können vielmehr – zu Recht – bis auf Hartz4-Niveau heruntergepfändet werden, sondern auch ein Insolvenzverfahren führt keineswegs zum Erlöschen gerichtlich rechtskräftig festgestellter Opferansprüche.

Man hat also bei rechtzeitiger Inanspruchnahme der Täter im Zweifel recht lange Zeit, um irgendwann an Schadenssummen zu kommen. Zuzüglich Zinsen versteht sich. Dies zu wissen, ist mitunter nicht nur für die Betroffenen selbst sehr wichtig. Oftmals stehen auch Angehörige oder Betreuer älterer Personen vor dem Problem, dass die hilfslosen Opfer sich im Labyrinth von unerbetenen und anonymen Werbeanrufen gefangen fühlten und lange Zeit selbst nächsten Angehörigen nichts von der schwierigen Lage berichteten. Sehr häufig wird den Angehörigen das ganze Ausmaß des Problems erst anhand von Postbergen bei Besuchen klar, zum Teil aber auch gar erst, wenn Angehörige ins Krankenhaus müssen oder nach ihrem Ableben.

Lassen Sie es nicht so weit kommen. Gehen Sie aktiv auf Ihre Angehörigen zu und fragen Sie von sich aus, ob sie Probleme mit Telefonterror haben. Informieren Sie sich und Ihre Angehörigen rechtzeitig darüber, wie man am besten mit den unerbetenen, teils hochkriminellen Anrufern umgeht, wie man ihre Tricks durchschaut und durchkreuzt.

Wenn ein Schaden bereits eingetreten ist, werfen Sie nicht die Flinte ins Korn, aber versuchen Sie sich nicht allein und ohne entsprechende Erfahrung, mit den ausgekochten Abzockern „anzulegen“. Inkassoschreiben, auch anwaltliche Mahnschreiben aus diesem Bereich sind oft nicht das Papier wert, auf dem sie daherkommen. Nicht nur bei derartigem Betrug – auch die allermeisten am Telefon Gewinnspiel“verträge“ sind null und nichtig. Zahlen Sie nie ohne vorherige sachkundige Prüfung! Selbst als Erben von Geschädigten können Ihnen noch vollumfängliche Rückzahlungsansürüche zustehen.  

Die Kanzlei Richter Berlin berät Sie hierzu gern genauer.