Gewinnspielmafia: Mutmaßlicher Millionenbetrüger Thorsten S. in Zürich verhaftet

Kommentar

Damit war eine mehrmonatige internationale Fahndung letztlich erfolgreich. Wie hier bereits berichtet wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft Bielefeld seit längerem gegen Verantwortliche im Zusammenhang mit mutmaßlich betrügerischer Telefonwerbung für angebliche Gewinnspiele und hatte in diesem Zusammenhang internationale Haftbefehle gegen Verdächtige erwirkt. Mehrere Personen aus dem geschäftlichen Umfeld des aus Paderborn stammenden Thorsten S. waren daraufhin bereits vor Monaten auf Mallorca festgenommen worden; Thorsten S. hingegen damals der mallorcquinischen Polizei damals offenbar nur knapp entkommen. Nachdem Zielfahnder des Bundeskriminalamtes nunmehr den Aufenthaltsort des zunächst weiterhin auf Mallorca vermuteten Thorsten S. ermittelt hatten, schlug nun die Schweizer Polizei zu. 

Wie das Haller Kreisblatt weiterhin berichtet, setzte das auffällig oft im Zusammenhang mit dubiosen angeblichen Gewinnspielen auftauchende Bankhaus Werther AG einen presserechtlichen Gegendarstellungsanspruch durch, wonach sie in keiner geschäftlichen Beziehung zur Luck24 IT-Service und Fulfillment GmbH stehe, die wiederum von diversen Ermittlungsbehörden verdächtigt wird, eine maßgebliche, wenn nicht die zentrale Rolle im Geflecht der so genannten Gewinnspielmafia zu spielen. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld halte, so das Haller Kreisblatt, den Inhalt der Gegendarstellung für nicht zutreffend, soweit dort behauptet werde, die Bankhaus Werther AG habe „keinerlei Geschäftskontakt“ zur Luck24 IT-Service und Fulfillment GmbH.


 

KommentarDie Frage, ob die Bankverein Werther AG Geschäftskontakte zur Luck24 IT-Service und Fulfillment GmbH eine Geschäftsbeziehung unterhielt, ist vor allem deshalb interessant, weil Ermittlungsbehörden derzeit dem Verdacht nachgehen, wonach die Luck24 IT-Service und Fulfillment GmbH eine zentrale Rolle im Gewinnspielgeflecht ausgeübt habe und insofern für die massenhaften Betrügereien gegenüber deutschen und  österreichischen vorwiegend älteren Bürgern auch Verantwortung trage. Womöglich klärt sich die Sache am Ende ja so auf, dass es ja keine unmittelbare Geschäftsbeziehung gab, weil Lastschriftaufträge von der Luck24 IT-Service und Fulfillment GmbH kommend über die afendis payment solutions AG ausgeführt wurden und somit nur eine mittelbare Geschäftsbeziehung vorlag. Dann nämlich hätte die Staatsanwaltschaft Bielefeld recht, weil eine mittelbare Geschäftsbeziehung natürlich auch eine Art von Geschäftskontakt ist. Andererseits könnte sich der Bankverein Werther AG auf eine Interpretation berufen, man habe keine Geschäftsbeziehung zur Luck24 IT-Service und Fulfillment GmbH, weil man eine mittelbare Geschäftsbeziehung über einen zwischengeschalteten Dritten eben nicht als Geschäftsbeziehung interpretiere. Natürlich ist dies derzeit reine Spekulation, denn näheres wissen nur die Beteiligten selbst und die Staatsanwaltschaft Bielefeld. Letztere aber schweigt über die Details, um die Ermittlungen nicht zu gefährden.

Aber irgendwer muss die vielen Lastschrifteinzugsaufträge ja eingereicht haben, die zu den Einzügen auf beim Bankhaus Werther AG geführten Konten führten. Immerhin in diesem Jahr schon Durchsuchungen im Hause gegeben hatte und die Bankverein Werther AG offenbar behauptet hatte, von hohen Rücklastschriftquoten im Zusammenhang mit Gewinnspieldiensten gar nichts mitbekommen zu haben. Es laufe ja alles so automatisiert.

Vielleicht sollte man aber auch einfach mal darüber nachdenken, ob man als Bankverein Werther AG Lastschriften wohl ausführen darf und will, die – wie beispielsweise ein mir vorliegender Lastschrifteinzugsversuch vom 17.08.2010 folgenden Verwendungszweck haben:

„TN (…) EUROLOTT03000
BLZ: (…)
KTO; (…)“

(die statt „(…)“ vorhandenen Ziffernfolgen wurden aus Datenschutzgründen entfernt) 

Wie soll ein Bankkunde aus der bloßen Angabe „EUROLOTTO3000“ eigentlich auf die Person eines Lastschrifteinreichers schließen und damit die Berechtigung einer Lastschrift überhaupt prüfen können? Eine Identifizierung einer Person ist nur (bei natürlichen Personen) anhand von Vor- und Nachname sowie Wohnsitz oder (bei juristischen Personen, also insbesondere Gesellschaften) anhand des Namens mit gesellschaftsrechtlichem Zusatz (wie z. B. GmbH oder AG) und des Geschäftssitzes möglich. „EUROLOTTO3000“ ist rechtlich gesehen ein Nullum, ein Nichts, denn diese Bezeichnung kennzeichnet weder eine natürliche, noch eine juristische Person in hinreichender Weise. Dass es sich tatsächlich auch nicht um eine Person, sondern einen Produktnamen handeln dürfte, wird erst nach aufwändigeren Recherchen, insbesondere im Internet überhaupt erahnbar. Die meist hochbetagten Betroffenen derartiger Lastschriften sind mit derartigen Recherchen oft schon deshalb überfordert, weil sie gar nicht wissen, was das Internet ist und wie man sich dort bewegt.

Lastschriften mit vergleichbar dürftigen Angaben wie die oben zitierten werden dennoch massenhaft von deutschen Kreditinstituten ausgeführt, insbesondere auch von der Bankverein Werther AG. Im hier beschriebenen Fall vom 17.08.2010 kam der Auftrag für die Lastschrift wohl von der einschlägig bekannten afendis payment solutions AG. So wird von dieser als Lastschrifteinreicherin und von der diese Einreichung akzeptierenden Bankhaus Werther AG die in den rechtswidrigen Telefonwerbegesprächen aufrechterhaltene Tarnung der werbenden Unternehmen aufrechterhalten und es so letztlich anonymen Tätern ermöglicht, sich problemlos, massenhaft und oft auch betrügerisch an den Konten unzähliger Bürger zu vergreifen.

Derartige Vorgänge sind bei deutschen Kreditinstituten leider keine Seltenheit, was die Sache nicht besser macht. Wenn dies aber mit der Bankhaus Werther AG gerade bei einem Kreditinstitut geschieht, das selbst angibt, von auffällig hohen Rücklastschriftquoten so gar nichts bemerkt zu haben, bei dem es aber bereits eine Durchsuchung von Ermittlungsbehörden wegen der Problematik unberechtigter Lastschriften gab, dessen Kunde afendis payment solutions AG Anfang 2010 auch in Zusammenhang mit Vorwürfen des gewerbsmäßigen Betruges in einer Rückgewinnungshilfeveröffentlichung der Staatsanwaltschaft Bielefeld genannt ist, dann sollte man erwarten, dass nicht noch Monate später munter immerfort Lastschriften von demselben Zahlungsdienstleister zur Ausführung entgegengenommen werden, die so beschaffen sind, dass sie dem Bankkunden eine Prüfung der Lastschrift aus sich heraus in der Regel unmöglich machen und insbesondere die Person des Lastschrifteinreichers verschweigen. Geschieht dies dennoch, dann wirft dies nach meiner Einschätzung durchaus auch die Frage auf, ob hier seitens der Ermittlungsbehörden nicht Anlass besteht, die unmittelbare und zwar auch strafrechtliche Verantwortung der handelnden Personen des Bankhauses Werther AG sehr sorgfältig zu prüfen.