Gewinnspielmafia: Skandal erreicht in Österreich die politische Ebene

Kommentar

Der Chef der rechtsgerichteten Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache thematisierte am 25.05.2010 in einer Pressekonferenz unter Verweis auf einen Bericht des ORF und ihm zugespielte Unterlagen die kriminellen Machenschaften der Gewinnspielmafia in Österreich und Deutschland.

Strache stellte dabei Bezüge des Treibens der Gewinnspielmafia zu höchsten Kreisen der österreichischen Politik her, darunter zum in Österreich einigermaßen prominenten ehemaligen ORF-Betriebsrat Walter Amon (Träger des Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien) und Franz Marek, die er als gut vernetzt mit der österreichischen Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) Wien darstellte. Wien sei Hauptzentrum der länderübergreifend agierenden kriminellen Firmengeflechts. Strache bezog sich dabei zudem auf die Sendung „Am Schauplatz“ des österreichischen Fernsehsenders ORF.

Das Video der Pressekonferenz ist von nicht bekannten Personen auf youtube veröffentlicht worden: 

{youtube}y-hdEpSbgGg{/youtube}

(Quelle: unbekannt via youtube.com)

Ähnlich wie in der Sendung des deutschen Privatsenders Sat1. „Akte 20.10“ war unter dem Titel „Die Glücksfalle“ detailliert über die Machenschaften der Glücksspielmafia rund um die in Wien ansässige Firma Luck24. Dabei wurde auch thematisiert, dass den abgezockten Kunden in Österreich von ihren Hausbanken mit ähnlichen Ausreden zu angeblichen Rückbuchungsfristen wie die Deutschland ansässigen Betroffenen abgespeist und von der Rückforderung von Lastschriften ohne unberechtigte Lastschrifteinzugsermächtigung abgehalten werden. Die Kanzlei Richter Berlin hatte hierüber mehrfach berichtet  („Abbuchungsbetrug: 6-Wochen-Frist bei Lastschriften?„, „So holen Sie sich Ihr Geld zurück„).


KommentarPolitik nah an den Sorgen und Nöten der Bürger? Millionenfacher Betrug, mutmaßliche Schäden mittlerweile im mindestens vielhundertfachen Millionenbereich – die deutsche Politik schweigt. Woran das wohl liegt? Decken tatsächlich mächtige Paten aus höchsten Kreisen das Ganze? Einiges spricht dafür. Beweise sind in solchen Fällen freilich oft schwer zu finden. Wien als Zentrum des als so genanntes „Wiener Karussel“ berüchtigten Firmenkonglomerats – das deckt sich auch mit allen Erkenntnissen der Kanzlei Richter Berlin, auch wenn die deutschen Callcenter schwerpunktmäßig im Ruhrgebiet sitzen. Hierbei handelt es sich jedoch nur um die dritte bzw. vierte Ebene des Systems der Gewinnspielmafia.

Dennoch: Warum wird das Thema nicht endlich in Deutschland auf höchster Ebene aufgegriffen? Die Bürger haben genug von dem billigen Gewäsch der Politik, sie sollten gefälligst sorgfältig mit ihren Daten umgehen.

Liebe Politiker, grundsätzlich habt Ihr ja Recht, aber: Wir reden hier von weitgehend bandenmäßig organisierter Kriminalität. Der Staat kommt den Schutzpflichten für seine Bürger, die dem staatlichen Gewaltmonopol zur Seite stehen, derzeit nicht einmal mehr im Ansatz nach.

Ob sich dies wohl ändert, falls die hiesige politische Rechte das Thema im nächsten Landtagswahlkampf für sich reklamiert? Das ist ob des damit verbunden Offenbarungseides der deutschen Politik nicht zu hoffen.