verbraucherschutz24.net: Dubiose Verbraucherschützer gestoppt

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Telefonwerbung, insbesondere für Gewinnspiele läuft nicht mehr ganz so gut, insbesondere, seit die Kripo Essen mit ihren Hausdurchsuchungen und Festnahmen ganz offensichtlich mitten ins Wespennest der Gewinnspielmafia gestochen hat. Viele Callcenter satteln daher ganz offensichtlich derzeit um auf „Verbraucherschutz“. Da gelten keine Regeln, da wird das Blaue vom Himmel versprochen. Man schütze Bürger vor Werbeanrufen, man mahne die bösen Callcenter ab und das alles zum billigen Pauschalpreis. Teils werden gar Abmahnprämien versprochen. Ach ja und man sei natürlich immer besser, als alle anderen. Werbung, bei der ein Jurist Mühe hat, alle wettbewerbsrechtlichen Normen aufzuzählen, gegen die damit verstoßen wird.2010-03-17_verbraucherschutz24.net_Startseite_Screenshot

Auch die Potsdamer in. tello GmbH und Geschäftsführer Waldemar Gala dachten sich offenbar: Verbraucherschutz? – Da geht doch was. So vergoss Gala dicke Krokodilstränen, bejammerten lauthals die Belästigung von genervten Bürger durch Werbeanrufe und gerierte sich vor der Kamera des RBB als erfolgreicher Verbraucherschützer. Über 5.000 Kunden habe man „für dieses Produkt“ gewonnen. Na klar, die Durchsuchungen und Festnahmen in Gewinnspielcallcentern in Essen seien natürlich – so wird es zumindest noch immer seitens der in. tello GmbH suggeriert – auf die erfolgreiche Tätigkeit der in. tello GmbH zurückzuführen. Vorwürfe unseriösen Geschäftsgebarens (siehe auch hier) insbesondere von der Verbraucherschutzzentrale? Vollkommen unberechtigt, ließ man seitens der in. tello GmbH siegessicher verlauten.

Ganz anders hört sich das auf der Webseite in-tello.net an. Recht aggressiv warb man hier für: Telefonwerbung! Motto: „Wir machen Ihr Produkt Outbound!“ Frech kommt weiter.

Screenshot Seite "Consulting" auf in-tello.net vom 17.03.2010

Derweil wurde weiter munter für verbraucherschutz24.net durch die Gegend telefoniert und – welch wunderbare Ironie – Schutz vor Werbeanrufen versprochen. So ging auch ein unerbetener Werbeanruf bei der Kanzlei Richter Berlin im Namen von „verbraucherschutz24.net“ ein, indem allerlei zweifelhafte Versprechen zur Abwehr unerbetener Werbung getätigt wurden. Dabei wurde eine unveröffentlichte Rufnummer der Kanzlei Richter Berlin missbraucht, die zuvor der Gewinnspielmafia in die Hände gefallen war.

So verwundert es denn auch nicht, dass die in. tello GmbH und Waldemar Gala offenbar keine Auskunft darüber erteilen wollten, wie der Anruf im Namen von verbraucherschutz24.net auf der unveröffentlichten Rufnummer zu erklären ist. Eine Abmahnung der Kanzlei Richter Berlin wegen dieser Werbung beantwortete Gala mit Zurückweisung aller Vorwürfe. Man sei selbst von einem – nicht genannten! – Werbepartner geschädigt und an einer Zusammenarbeit mit der Kanzlei Richter Berlin interessiert. Na schönen Dank auch.

Das Landgericht Berlin untersagte nunmehr auf Antrag der Kanzlei Richter Berlin der in. tello GmbH und ihrem Geschäftsführer Waldemar Gala persönlich unerbetene und identitätsverschleierte Telefonwerbung sowie irreführende und unwahre Behauptungen im Rahmen des Anbietens von Rechtsdienstleistungen und unwahre und irreführende Behauptungen über die Rahmenbedingungen der eigenen Fähigkeiten zur Abwehr von Telefonanrufen (mehr Rechtsmittel als staatlich geförderte Institutionen) wie aus der Wiedergabe der Verfügungstenors auf dieser Seite ersichtlich.

Einstweilige Verfügung LG Berlin Seite 1Einstweilige Verfügung LG Berlin Seite 2Einstweilige Verfügung LG Berlin Seite 3
Einstweilige Verfügung LG Berlin Seite 4Einstweilige Verfügung LG Berlin Seite 5Einstweilige Verfügung LG Berlin Seite 6


Einstweilige Verfügung LG Berlin Seite 7Einstweilige Verfügung LG Berlin Seite 8Einstweilige Verfügung LG Berlin Seite 9


Das Landgericht Berlin ging in seiner Entscheidung insbesondere davon aus, dass zwischen einem Werbeschutz anbietenden Callcenter und einem Verbraucheranwalt ein Wettbewerbsverhältnis besteht und dass Telefonwerbung unter der bloßen Selbstbezeichnung „verbraucherschutz24.net“ unzulässige Anonymwerbung gem. § 7 II 4 UWG sei. Zudem sei es für die in. tello GmbH als Person ohne Zulassung im Sinne des Rechtsdienstleistungsgesetz unzulässig, Rechtsdienstleistungen gegen Entgelt anzubieten, ohne darauf hinzuweisen, dass diese nur durch Rechtsanwälte erbracht werden dürfen. An der Unzulässigkeit des Angebots eigener Rechtsdienstleistungen ändere es auch nichts, wenn wie bei der in. tello GmbH die Erbringung der Rechtsdienstleistungen durch deren Rechtsanwälte beworben würde.

Auf entsprechende fristgebundene Aufforderung der Kanzlei Richter Berlin ließen die in.tello GmbH und Waldemar Gala nunmehr sämtliche Unterlassungsansprüche durch ihre Rechtsanwälte als dauerhafte Regelung anerkennen.

Zwischenzeitlich haben die in.tello GmbH und Waldemar Gala ihre Webseiten umgestaltet. verbraucherschutz24.net leitet derzeit auf schutz-24.info weiter. Dort befindet sich ein modifiziertes Werbeschutz-Angebot. Dennoch meldeten sich auf den veröffentlichten Zeugenaufruf hin Personen, deren Aussagen darauf hindeuten, dass die in. tello GmbH weiterhin gegen die am 05.03.2010 zugestellte und seitdem zu beachtende einstweilige Verfügung verstößt.

Ach ja, was machen eigentlich die richtigen Verbraucherschützer? Medienberichten zufolge habe die Verbraucherzentrale die in. tello GmbH abgemahnt und auch schon Klage eingereicht. Soso. Guten Morgen.