Gewinnspielmafia: Targobank zahlt Christiane N. über 700 Euro zurück

Kommentar

Bevor der Schaden noch größer wurde, konnte die Kanzlei Richter Berlin die Targobank davon überzeugen, das Geld unverzüglich rückzubelasten. Interessant dabei, welche Banken nach Auskunft der Targobank die Konten der abzockenden Lastschrifteinreicher bzw. ihrer Helfershelfer führen. Es handelt sich also um die Kreditinstitute, die von den zweifelhaften Massenlastschriften letztlich mit profitieren. Diese Kreditinstitute verfügen mutmaßlich über einen genaueren Überblick, welche Zahlungsdienstleister für welche – oft äußerst lichtscheuen und sich scheinbar im Ausland versteckenden – Abzocker aktiv sind, wieviele Zahlungseingänge zu verzeichnen sind und von wievielen „Kunden“konten Gelder eingezogen werden und ob mit oder ohne schriftliche Lastschrifteinzugsermächtigung.

  • Hamburger Sparkasse (siehe auch hier!) führt angeblich Lastschrifteinreicherkonto für Lastschriftempfänger „WIN 24 Gewinnspielservice“
  • Commerzbank Kiel führt angeblich Lastschrifteinreicherkonto für Lastschriftempfänger „Premiumchance 100“
  • Hypo-Vereinsbank Weilheim (Oberbayern) führt angeblich Lastschrifteinreicherkonto für Lastschriftempfänger „DTD Dienstleistungsgesellschaft“ (Verwendungszweck „MAXIKOMBI 100“)
  • Bankverein Werther Westfalen führt angeblich Lastschrifteinreicherkonto für Lastschriftempfänger „PP Zahlungssysteme“ (Verwendungszweck „Deutscher Supertipp“)
  • Volksbank Dresden führt angeblich Lastschrifteinreicherkonto für Lastschriftempfänger „ADNODE GMBH“ (Verwendungszweck „Jackpott 77“)

KommentarInwieweit diese von der Targobank stammende Informationen zutreffend sind, kann von hier aus naturgemäß nicht definitiv überprüft werden. Insofern kann ich hier auch nur auf die entsprechende Auskunft der Targobank vertrauen, die recht anstandslos dem Rückbuchungsverlangen stattgab. Nähere Informationen, wer sich hinter den Fantasiebezeichnungen der angeblichen Lastschriftempfänger „WIN 24 Gewinnspielservice“ etc. (es handelt sich hierbei eigentlich um Produktbezeichnungen bzw. Geschäftsbezeichnungen) verbirgt, konnten der Targobank allerdings bislang auch noch nicht entlockt werden. Mal sehen, ob sich meine Mandantschaft damit zufrieden gibt.

Jedenfalls werfen die aus den mir vorliegenden Dokumente hervorgehenden Informationen Fragen auf. Seltsam ist meiner Meinung nach ganz generell, wenn sich herausstellt, dass Kunde A der Bank X deren Kunden B mit betrügerischen Lastschriften über den Tisch zieht und die Bank X erst wochenlang bei sich selbst recherchieren muss, ob sie die Lastschriftermächtigungen wohl ordnungsgemäß geprüft hat. Angesichts der Tatsache, dass in keinem (!) der bislang an mich herangetragenen Mandate auch nur ein einziges (!) Kreditinstitut bislang mir gegenüber den Einwand erhoben hat, es läge definitiv eine wirksame Lastschrift meiner Mandanten vor, darf man doch wohl fragen welche Art der Prüfung von Lastschriften und Einreichern denn eigentlich überhaupt und zu welchem Zeitpunkt stattfindet. Gar keine?

Unter diesem Verdachtsaspekt ist es aber schon jetzt hochinteressant, zu betrachten, welche Kreditinstitute auf Rückbelastungsforderungen wie reagieren und – darüber kann man freilich spekulieren – warum wohl.

Im übrigen erschiene es mir weder verwunderlich noch sonderlich betrüblich, wenn manche Kunden oben genannter Banken gelegentlich einmal beim Berater ihrer Hausbank nachfragten, ob es wohl zutrifft, dass sich ihre Bank mit einer ganz bestimmten, möglicherweise höchst zweifelhaften Kundenklientel abgibt und wenn sich manche dieser ehrbaren Kunden in diesem Zusammenhang aus ganzem Herzen wünschen würden, auch ihr Kreditinstitut würde sich an der Taunussparkasse ein Beispiel nehmen und bestimmte Geschäftsbeziehungen auf ethische Grundanforderungen gründlichst überprüfen.

Sofern diese Kunden nicht ohnehin auf dem Standpunkt stehen, Bank und Ethik seien zwei schon ganz grundsätzlich unvereinbare Dinge. Lachen