Ermittlungen nach Gewinnspielbetrug: Deutschlands gerissenste Ermittler treten gegen das Gewinnspielkartell an

richter-stefan-kommentar

Ermittlerhelden Nr. 1: Hamburger Polizei

So wurde der Vorsitzende des Antispam e. V. am 13.01.2010 in dieser Eigenschaft von pfälzischen Ermittlern als Beschuldigter vorgeladen. Es solle um Betrug durch unberechtigte Abbuchungen gehen. Auf der Dienststelle stellte sich dann heraus, dass die Vernehmung im Auftrag der Hamburger Polizei stattfinden sollte, die den Antispam per Google-Suche als den aussichtsreichsten Kandidaten im Zusammenhang mit den Abbuchungen „gewürfelt“ hatte.

Ermittlerhelden Nr. 2: Kriminalinspektion Mainz

Ein Einzelfall? Weit gefehlt! Am 09.02.2010 meldete sich nun die Kriminalinspektion Mainz. Diese mit allen neuen Medien vertrauten Schlitzohren fragen nun beim Antispam e. V. (Geschäftsstellenadresse: „An der Marlach 21, 67146 Deidesheim“) per Fax mit folgender Adressierung

„Premiumchance 100
per Fax an (…)
An der Marlach 21
67146 Deidesheim“

an, weshalb bei der im Schreiben genannten Anzeigeerstatterin die in einer Anlage aufgeführte Beträge abgebucht worden sei, ob das Einverständnis der Geschädigten eingeholt worden sei, ob es Aufzeichnungen vom Einverständnis gebe und ob diese „benötigt“ würde und wie die Kontaktaufnahme mit Frau W. erfolgt sei. Offenbar findet man die Internetseite antispam.de auf Platz 1 bei Google, auch wenn es um die Abzocker von „Premiumchance 100“ geht.

Der Antispam e. V. hat sich nun jedenfalls an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden sowie an die Landespolitik gewandt und um Stellungnahme ob dieses Unsinns gebeten.


richter-stefan-kommentarDa frag ich mich: Zu faul oder zu dumm? Bestenfalls fehlt manchen Ermittlern wohl ein Grundkurs „Suche im Internet und kritische Auswertung von Suchergebnissen“. Dem Antispam e. V. ist derweil wohl allmählich zu raten, ein zusätzliches Vereinsorgan allein dafür zu bestellen, um unfähigen Ermittlern Nachhilfeunterricht in den Basics der Verbrechensbekämpfung im Internet zu geben.

Es wird schwer werden, mit solchen polizeilichen Recken im Kampf gegen industriell arbeitenden Gewinnspielbetrüger und ihre Stroh- und Hintermänner auch nur einen einzigen Stich zu bekommen. So ist das halt, wenn der Staat kaputt gespart wird. Statt die Strafverfolgungsbehörden hinreichend personell und materiell auszustatten und zu schulen, betreibt man ja auch lieber sinnfreie Plakatpolitik wie bei Zensursulas jüngst plötzlich und unerwartet dahingeschiedenem Internetsperrgesetz.

So wird das alles nix. Nun ja, die Hoffnung stirbt zuletzt.