StA München: Haftbefehle und Durchsuchung bei RTL2 wegen Werbung für betrügerische Flirt-SMS

Kommentar

Wie die Online-Ausgabe des Münchener Merkur berichtet, stehen die Maßnahmen im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen ein Unternehmen, das im Nachtprogramm des Senders als privat getarnte Anzeigen für Partnersuchende schaltete. Wer sich auf die Anzeigen meldete, erhielt Nachrichten von Chatanimateuren des Unternehmens, die sich als „Daniela“ bzw. „Petra“ ausgaben. Der Kontakt mit den Animateuren wurde über Mehrwert-SMS abgewickelt und kostete den Partnersuchenden pro Nachricht 1,99 EUR.
Insgesamt seien 14 Wohnungen und Geschäftsräume von der Staatsanwaltschaft München durchsucht worden.
RTL 2 erklärte hierzu nach einer Meldung des Medienmagazins dwdl.de:

„Das Ermittlungsverfahren richtet sich nicht gegen das Unternehmen RTL II. Soweit einzelne Mitarbeiter des Unternehmens betroffen seien sollten, kann RTL II aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und der damit zusammenhängenden Unschuldsvermutung keine weiteren Erklärungen abgeben. Die weitere Zusammenarbeit mit Vertragspartnern in dem betroffenen Bereich wird derzeit juristisch geprüft“

Nach Auskunft des Sprechers der Staatsanwaltschaft München I, Anton Winkler seien zudem zwei Personen aus dem Management des SMS-Chat-Betreibers wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft genommen worden.


KommentarSchau an, nach jahrelanger Untätigkeit nehmen sich die Staatsaanwaltschaften nun allmählich ernsthaft des drängenden Problems des massenhaften SMS-Chat-Betruges an. Nach Kiel nun auch in München. Es bleibt zu hoffen, dass diese Nachrichten mit einem erheblichen Abschreckungseffekt für die von Betrügereien vollkommen verseuchte Erotik-Mehrwertdienste-Branche verbunden ist. SMS-Chat-Geschäftsmodelle meist betrügerischen Charakters waren in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Der mit der so genannten „KATI-Masche“ in die Schlagzeilen geratene „Unternehmer“ Cem Öncan hatte es sogar gewagt, wegen kritischer Berichte über seine Machenschaften eines seiner Opfer vor dem Landgericht Braunschweig und den Verbraucherschutzverein Antispam e. V. vor dem Landgericht Köln auf Unterlassung der Äußerungen zu verklagen, war allerdings auf ganzer Linie gescheitert. Obwohl seine Firma Server-Tel inzwischen wohl pleite ist, geht das schmutzige Geschäft allerorten weiter. Mal sehen, wie lange noch.
Allmählich sollte es sich nämlich bis zur letzten Nebenjob-Studentin in SMS-Chat-Diensten herumgesprochen haben, dass bei derartigen Geschäftsmodellen das Hauptproblem nicht nur die desöfteren plötzlich ausbleibenden Zahlungen ihrer auf Mallorca und anderswo sitzenden Briefkastenfirmen-Chefs sein könnten. Flugs hat man vielmehr auch Ermittlungen wegen Betrug bzw. Beihilfe hierzu am Hals. Wer auf so einem sinkenden Kahn hockt und jetzt noch nicht aufgewacht sein sollte, dem ist wohl nicht mehr zu helfen.