Warnung: Bislang einmalig perfide Abofallen-Abzockmasche von Leemm.com (AZ Web Content)

Kommentar

Nach Ermittlungen von Usern des Forums des Verbraucherschutzvereins Antispam e. V. sowie der Betreiber von antiabzocke.net betreibt die Firma AZ Web Content Ltd. (angeblicher Director ausweislich des Impressums: Bruno Windschers) unter mehreren Domains Abzockseiten:

  • leemm.com
  • leemm.de
  • leemm.at
  • leemm.ch
  • leemm.org
  • leemm.info
  • az-webcontent.com
  • az-webcontent.de
  • azwebcontent.com
  • azwebcontent.de

Auf diesen Seiten befand sich offenbar zunächst keinerlei Kostenhinweis, wie Google-Cache-Auszüge nahelegen. Inzwischen finden sich jedoch dort Kostenhinweise wie folgt:

„Nach Ablauf von zwei Wochen ohne schriftlichen Widerruf gehen wir davon aus, dass Sie unser Angebot auch weiterhin in Anspruch nehmen möchten. Ihr Abonnement verlängert sich dann automatisch um 12 Monate, für monatlich nur 8 Euro, somit 96 Euro Jahresbeitrag im Vorraus.“

Der absolute Oberknaller aber kommt erst: Die Gauner betreibern nun auch noch ihr eigenes Beschwerde-Forum, in dem sie mit getürkten Einträgen angeblicher Opfer den Rat vermitteln, sich gegen die AZ Web Content Ltd. besser nicht zur Wehr zu setzen. Hierfür werden unter den Domains:

  • anti-leemm.com
  • anti-abofalle.com
  • verbraucher-wehren-sich.com
  • forum-gegen-abzocke.com
  • erfahrungsberichte-von-internetnutzern.com
  • userschutz com
  • vorbei-mit-abzocke com
  • verbei-mit-abzocke com

Die vermeintlichen Verbraucherschutzdiomains sind jedoch auf niemand anderen als den angeblichen Director der AZ Web Content, Bruno Windschers registriert. Als Registrant-organization ist angegeben: AZ WebContent.

Unter der Domain „verbraucher-wehren-sich.com“ finden sich dann beispielsweise folgene Einträge:

„Seit diesem Monat (August 2008) präsentiert der Unternehmer Bruno Windschers mit seiner AZ Web Content und seinem Projekt leemm.com eindrucksvoll die Abzocke in Perfektion. (…) Ob Rechnung, Zahlungserinnerungen, erste Mahnung und zweite Mahnung, die AZ Web content des Unternehmers B.W. (leemm.com) schreckt in ihrer Vorgehensweise vor nichts zurück. (…) Wer clever ist, zahlt bereits schon nach der ersten Rechnung.“

„Wenn Sie meinen, dass es schon alles sei, liegen sie leider falsch. Bruno Windschers AZ Web content (leemm.com) hat noch einen weiteren Trumpf im Ärmel, welchen er gern ausspielt. Der gerichtliche Mahnbescheid. Bei Bruno Windschers AZ Web content handelt es sich um ein weit verzweigtes Netz von Firmen, Rechtsanwälten und Inkasso-Büros. Sollte der leemm.com-Kunde seinen Verpflichtungen nicht nachkommen, schaltet Bruno Windschers AZ Web Content nach einiger Zeit Rechtsanwälte und Inkasso-Büros ein, die über den gerichtlichen Mahnbescheid den offenen Rechnungsbetrag beitreiben.“

„Nutzer, die nicht in der Lage sind, den offenen Rechnungsbetrag sofort zahlen zu können, wird ausdrücklich empfohlen, mit der AZ Web content (leemm.com) einen Ratenzahlungsvertrag zu vereinbaren. Nur so ist es möglich, den Papierkrieg mit den AZ Web Content-Rechtsanwälten abzuwenden.“

Offenbar will man Opfer der Abofallen über ihre – generell guten – Möglichkeiten, sich gegen die Entgeltforderungen zu wehren, täuschen. Zudem soll die Macht der Verbraucher, sich in Foren über die Erfahrungen mit den Abzockern auszutauschen, von vornherein unterlaufen werden, indem man sie in falsche Foren lockt. Dass durch die Vielzahl an scheinbaren Verbraucherschutzdomains tatsächliche Verbraucherschutzforen von den ersten Plätzen bei Google gekippt werden sollen, dürfte ein angestrebter Nebeneffekt sein.


Quelle:
Thema „[Aboabzocke] AZ WebContent / BW Aktiv / leemm.com/ AZ Web Content“ im Forum auf antispam.de

Artikel „Gutscheinabzocke von der AZ Web Content Ltd.“ auf antiabzocke.net


KommentarEs ist offensichtlich, dass der Geist der Flasche entwichen ist und nicht wieder hinein will.

Obwohl mittlerweile auch wieder Strafverfahren gegen Abofallensteller laufen, wird weiter munter abgezockt. Jede Woche werden gleich mehrere neue Portale mit Abofallen aufgezogen. Klar: In wirtschaftlich so unsicheren Zeiten wie heute so schnell so viel Geld für nichts verdienen – das lockt.

Die Lage ist der deutschen Staatsmacht offenbar völlig entglitten. Verantwortlich hierfür sind zum einen die ultraneoliberalen Politiker, die immer und immer wider die generelle Zurückschneidung des „überfetten“ Staates forderten und tatsächlich nur Freiräume für Gangster schufen. Statt Polizei und Justiz angemessen personell wie materiell auszustatten, hat man sie kaputtgespart. Kostenersparnis für die Gesellschaft: Bestenfalls Null. Die Kosten zahlt der Bürger nämlich an anderer Stelle. Siehe oben.

Wenn in Frankfurt am Main jedenfalls Anzeigen von mehreren tausend Internetnutzern eingestellt werden, weil diese sich angeblich ausweislich der Verbindungsdaten allesamt doch auf den Abzockseiten aufgehalten haben sollen und dort auch über die Kostenpflichtigkeit belehrt worden seien, fragt man sich ernsthaft, ob die Staatsanwaltschaft noch alle Latten am Zaun hat. Aus einer IP, die zu den eingegebenen Namen passt, lässt sich selbstverständlich nicht darauf schließen, auf welcher Webseite die Daten eingesammelt wurden. Dies sollte jedem halbwegs ausgebildeten EDV-Fachmann bekannt sein. Zudem findet die nachträgliche Manipulation von Internetseiten (ohne Kostenhinweis vor der Versendung von Rechnungen, mit Kostenhinweis danach) heute massenhaft statt, um der Rechtsverfolgung zu entgehen. Wer so etwas nicht weiß und ein Verfahren mit mehreren tausend Geschädigten einstellt, der hat offenbar andere Motive.Wenn sich aber Polizei und Staatsanwaltschaften aber – gleich ob aus Personalmangel oder Inkompetenz – weitaus dümmer anstellen, als nur der durchschnittliche Internetuser, dann sollten sie besser gleich einpacken. Wer den Bürgern das Recht zur Gegenwehr qua Gewaltmonopol abnimmt, muss seinen Schutzpflichten gerecht werden. Ich kann das in einigen Fällen nicht einmal mehr im Ansatz erkennen.