Die Rechtsstaatspartei lässt anonym spammen

Kommentar

Blogger Hanno Zulla aus Hamburg fand nach eigener Darstellung kürzlich in seinem Postfach folgende Mail:

„Absender: n…@gmx.de

Hallo!

„Betreff: FDP Wahlspot

Kennst du schon den FDP-Wahlwerbespot für die Bürgerschaftswahlen in HH? Wäre der nicht was für deinen Blog?”

Viele Grüße,
N.“

Die einen Link zum FDP-Wahlkampfwerbespot der Hamburger FDP bei Youtube enthaltende E-Mail kam jedoch – wie sich bald herausstellte – nicht von dem angeblichen Absender „Niklas Sörensen“, sondern von der Werbeagentur Oysterbay. Die Werber, die sich selbst als Experten für Guerilla-Marketing bezeichnen, waren von der FDP mit der Unterstützung des FDP-Wahlkampfes beauftragt worden. Die FDP-Hamburg dementierte jedoch gegenüber Zulla, dass die Agentur Spam versende. Die Agentur, die Zulla bei dessen Anruf noch zunächst angeblich mit dem Herrn „Niklas Sörensen“ verbunden hatte, bestätigte auf direkte Nachfrage hingegen, dass der Absender „Niklas Sörensen“ keineswegs eine reale Person sei, sondern ein bloßes Pseudonym. Wörtlich gibt Zulla die Begründung der Agentur wieder, weshalb man denn nicht unter der eigenen Absenderadresse maile::

„Wenn Mails von einer Werbeagentur kommen, dann werden sie weggeklickt, mit einer GMX-Adresse haben wir mehr Chancen, da rein zu kommen.’”

Blogger Zulla ließ die FDP daraufhin abmahnen. Nachdem die FDP zunächst versuchte, Zulla einzuschüchtern und Druck auszuüben

“Wenn Sie auf diese Abmahnung bestehen wollen, werden wir das sportlich sehen. Dann feuern wir zurück. Das wird sehr teuer für Sie.”

akzeptierten die von der FDP dann eingeschalteten Rechtsanwälte Berichten zufolge nunmehr die Abmahnung.


KommentarWie peinlich. Die Bürgerrechtler haben sich noch immer im Guidomobil des einst schicken Neoliberalismus verhakt. Was da beschönigend als virales oder auch Guerilla-Marketing bezeichnet wird, ist nichts anderes als Belästigung. Dessen waren sich die Absender der Mail auch offensichtlich voll bewußt, wie die Begründung der Agentur Oysterbay für die Verwendung des Pseudonyms deutlich zeigt. Dass man sich aber exakt derselben Methoden zur Absenderverschleierung bedient, die mir jeden Tag bei schlitzohrigen Gebrauchtwagenkrämern und Adressengrabgangstern unterkommen, ist allerdings ein starkes Stück. Ich würde sagen: Medialer Super-GAU. Die Vertreter der FDP im Rechtsausschuss des Bundestages sollten jedenfalls rote Ohren bekommen, wenn sie demnächst mal wieder die Bürgerrechtsfreunde mimen.

Im übrigen hätte Oysterbay für die eigene Außendarstellung wenigstens nach dem Fauxpas besser mal eine Werbeagentur einschalten sollen. Profis halt, die sich mit Außendarstellung auskennen. Vielleicht war ihnen ja auch nur gerade entfallen, dass der eigene Auftraggeber eine Partei ist, die sich nicht nur regelmäßig als Lobbyist der freien Wirtschaft auftritt, sondern dass diese sich zumindest ab und zu auch bemüht, das Etikett „Rechtsstaatspartei“ zu tragen.

Ansonsten kann ich nur sagen: Klasse Aktion von Hanno Zulla. Bin begeistert!