Der Spiegel spürt Abzockern nach – IS Internet Service AG

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Horoskope, Porsche-Testfahrten, Routenplaner – alles scheinbar umsonst. Doch der Hammer kommt hinterher – in Form einer dicken Rechnung. Hinter vielen der dubiosen Angebote soll nach Recherchen des Spiegel die ehemalige Xentria AG stecken, die schon kurz nach Gründung in IS Internet Service AG umfirmierte. Treibende Kraft hinter deren düsterem Wirken soll weiterhin Faustus Eberle, einer der drei Gesellschafter der IS Internet Service AG sein. Ebenfalls mit im Boot sei offenbar eine Betreiberin eines Büroservices, die bereits bei anderen umstrittenen geschäftlichen Aktivitäten mitwirkte. Verbindungslinien ließen sich weiterhin zu den dubiosen Kondom-Abonnement-Diensten concome.tv, zu produktpruefer.de und der Swiss Einkaufsgemeinschaft ziehen.

Link zum Artikel unter www.spiegel.de

Link zu einem Artikel über die österreichische Rechtsprechung zu den Praktiken der Xentria / IS Internet Service AG bei www.heise.de

Link zu einem Artikel der österreichischen Arbeiterkammer zu den Praktiken der Xentria / IS Internet Service AG bei www.arbeiterkammer.at

Link zu einem Artikel des österreichischen Internet Ombudsmann – Verein zur Förderung der außergerichtlichen Streitschlichtung im Internet
bei www.ombudsmann.at

Link zu einem Artikel über Internet-Abzocke bei www.ntv.de


richter-stefan-kommentarAbzocker/Spammer + Büroservice = eine prima Mischung. Immer wieder habe ich beobachtet, dass sich dubiose „Büroservice“anbieter auffallend häufig mit Abofallen-Gaunern geschäftlich verbinden und ihnen gute Dienste zur Verschleierung von Adressen und Telefonanschlussinhaberdaten leisten. Bei Abofallen läuft es nämlich häufig nach dem Muster: Hit and run – Abofalle aufstellen, abzocken, abhauen. Zeit ist Geld, denn die Gesetzeslage ist relativ eindeutig, doch es gibt ein katastrophales Vollzugsdefizit. Für die Gauner heisst das: Es muss nur in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Geld eingetrieben und zum Abfluss gebracht werden, bis die Firma aufgrund verlorener Prozesse pleite ist. Dann heißt es: Neue Firma, neues Glück. Das ist eines der Erfolgsmodelle; Auslandssitz ein anderes, ebenso erfolgreiches. Der Staat schaut zu; die Verbraucherschützer sind letztlich machtlos. Was nützen Urteile, die sich gegen Firmen richten, die angeblich oder spätestens nach den ersten verlorenen Wettbewerbsprozessen plötzlich und wundersam auf die Jungferninseln verziehen und auf kaltem Wege „bestattet“ werden? Wird heute durch Verbraucherschützer endlich mal ein Hintermann verknackt, installiert er morgen seine Ehefrau als Chefin einer neuen für ein paar Silberlinge frisch gegründeten neuen Limited. Wieder Zeit gewonnen zum Abzocken. Und der Familien- und Freundeskreis mancher Betreiber von dubiosen „Geschäftsmodellen“ ist verdammt groß. Es scheint kein Ende zu nehmen mit der Abofallen-Abzockerei, denn die Fantasie der Geschäftemacher ist ebenso grenzenlos, wie die Untätigkeit der von Lobbyisten gefesselten Politik.

Der Name Faustus Eberle jedenfalls taucht in Verbraucherschutzforen immer wieder im Zusammenhang mit Vorwürfen über dubiose Praktiken diverser mit ihm in Verbindung stehnder Firmen auf. Nun hat auch der Spiegel ein weiteres Mosaikstück hinzugefügt. Wieviel da tatsächlich dran ist – ich kann es aus eigener Kenntnis natürlich nicht beurteilen. Auf den Kopf gefallen bin ich aber auch nicht. Man mag nur ein wenig googeln und es selbst beurteilen. Da sind einige Berichte zu finden und einige Links – was noch weitaus interessanter ist – von Google entfernt worden. Wenn Herr Eberle sich nun in seinem Blog unter www.faustus-eberle.de dem Publikum als erfolgreicher Geschäftsmann vorstellt, nun ja. Wenn er weiter schreibt, „Faustus Eberle liebt schnelle Wagen mit viel PS unter der Haube. … Zu seinen Lieblingen gehören eindeutig Fabrikate der Marke Ferrari und Porsche.“, mag man das möglicherweise geschmacklos-protzig finden und es fällt mir schwer, zu widersprechen. Fast fühle ich mich ein wenig an Witzfiguren wie den schon geradezu unübertrefflich kultig-peinlichen Kim „Kimble“ Schmitz erinnert. Andererseits: Leuten, die hart und ehrlich gearbeitet haben, sei ein bisschen Luxus und meinetwegen auch die eine oder andere Geschmacklosigkeit im Rausch des Neureichtums gern gegönnt. Ob allerdings der saubere Herr Eberle zu diesem Kreis gehört, darf doch wohl angesichts der vielen Negativ-Berichte aus verschiedensten Quellen schon mit Recht stark in Zweifel gezogen werden. Wenn er sich dann jedoch obendrein noch mit dem Motto „Machen Sie es wie Faustus Eberle, und helfen Sie mit Spenden!“ als Wohltäter geriert, wird mir einfach nur schlecht. Oder um es drastisch mit Max Liebermann zu sagen: „Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“

Beinahe täglich melden sich Mandanten, denen man oft nur einen einzigen – auch wirtschaftlich sinnvollen – Rat geben kann: Alle Mahnschreiben ignorieren und aufheben, jedoch sofort reagieren, wenn ein Mahnbescheid vom Gericht kommt. Dass die Ansprüche natürlich meist vollkommen unberechtigt sind – unerheblich. Dass sich eine aktive Abwehr wegen der ständigen Todesnähe diverser Firmen bzw. wegen dessen Sitz im Ausland nicht lohnt – logisch, genau deshalb sind sie so konstruiert. Dass als Geschäftsführer desöfteren Überschuldete, Obdachlose, Junkies fungieren – mittlerweile normal. Dass die außergerichtliche Abwehr von derartigen erkennbar unberechtigten Ansprüchen ein Abzockopfer außergerichtlich grundsätzlich auf seine eigenen Kosten betreiben darf – schon immer so gewesen, da könnte ja jeder kommen. Dass viele Menschen sich einschüchtern lassen und aus Angst einfach zahlen – wen interessierts noch? Dass mit ebendiesem Geld sich dann der moralische Abschaum der Gesellschaft ein Leben in Saus und Braus gönnt und es in immer neue Abzockmodelle steckt, während Arbeitslose wohl kaum mit dem politisch festgesetzten Hartz4-Regelsatz allein noch ein menschenwürdiges Leben führen können – Leistungsgesellschaft der mündigen Bürger? Wie um alles in der Welt soll ich meinen Mandanten noch erklären, dass es nicht OK ist, sich nebenbei ein bisschen was schwarz dazuzuverdienen, wenn derartige Abzocker über Jahre hinweg praktisch ungestört andere Leute ausnehmen dürfen, ohne dass ihnen die Staatsmacht endlich mal knallhart in die Parade fährt?

Aufwachen, liebe Politiker, der Volkszorn über die Abzockereien mit Abofallen kocht!