spiegel.de: Facebook und der Trick mit dem Opt-In

Kommentar

Hintergrund: Die Werbepartner nähmen an, dass die Freunde der Käufer diese Produkte dann ebenfalls kaufen könnten. Zwar könne sich grundsätzlich jeder Nutzer von Facebook gegen die Datensammlung entscheiden, jedoch müsse er sich hierzu extra durch mehrere Webseiten von Opt-Out-Optionen kämpfen und vorgegebene Werbezustimmungen per Klick ungültig machen. Dies unterliessen natürlich die meisten Nutzer aus Bequemlichkeit oder aus Unwissen. So bestehe beispielsweise derzeit die Gefahr, dass jemand ein Buch über den Umgang mit AIDS beim Facebook-Partner Amazon kaufe und automatisch die Freunde des Käufers hiervon erführen, ohne dass dies dem Käufer bewußt sei.

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KommentarNatürlich ist die Erschwernis des Opt-Outs durch die Betreiber von Facebook kein reiner Zufall; man könnte ja auch eine Opt-In-Lösung wählen. Insofern bewegt sich das ganze nahe an der Masche der Gebrüder Schmidtlein und ihrer miesen Tricks rund um die auf Dutzenden Internetseiten versteckten Abofallen. Auch dort wird etwas bewußt versteckt in der Hoffung, dass der Durchschnittsbürger unvorsichtig ist und übersieht, seine Rechte zu wahren.

Das Problem ist übrigens nicht neu. Auch in Bezug auf Spam wird stetig eine Opt-Out-Lösung von der Werbeindustrie empfohlen, so zum Beispiel im Zusammenhang mit der sogenannten Robinson-Liste , einer der überflüssigsten Erfindungen aller Zeiten. Nach der in Deutschland geltenden Rechtslage ist Spam glasklar verboten, auch ohne, dass Verbraucher sich irgendwo eintragen müssen. Wer sich an diese Rechtslage nicht hält, der schaut sich die Robinson-Liste natürlich nicht einmal an oder nimmt sie gleich als Adress-Vorlage für seinen nächsten Spamrun.

Doch die Werbeindustrie hat guten Grund zu diesen doppelzüngigen Empfehlungen: Würde der Gesetzgeber derartige Listen akzeptieren, wäre das praktisch der Weg zum Opt-Out-System für Werbenachrichten, d. h. wer sich nicht in die Negativ-Liste einträgt, erklärt stillschweigend die Zustimmung, mit dem Empfang allen möglichen Werbezeugs einverstanden zu sein. Das wäre der Freibrief zum hemmungslosen zuspammen all der Leute, die unvorsichtig oder eher unerfahren mit elektronischen Medien sind, also gerade derjenigen Leute, die den meisten Schutz des Gesetzgebers benötigen. Falls sich die Lobby der Werberindustrie eines Tages doch noch mit einer Änderung der derzeitigen Opt-In hin zu einer Opt-Out-Lösung bei Spam durchsetzen sollte, sage mir niemand, er habe nicht gewußt, was auf uns zukommt.

Der Fall Facebook zeigt: Umsonst ist nur der Tod und die weltweite Werbeindustrie ist „daten-unersättlich“. Aus diesem Grund unterstütze ich auch – nach einigem zögernden Nachdenken ob der  – nunmehr ausdrücklich die Ziele der Kampagne gegen die Vorratsdatenspeicherung. Nicht nur der aktuelle Datenschutz-GAU in Großbritannien zeigt: Sind die Daten erst mal gesammelt, sind sie niemals hundertprozentig sicher und werden über kurz oder lang auch mit Sicherheit von irgendwem mißbraucht.  Wer hieran zweifelt, der sei erinnert: Als bei der Volkszählung 1933 nach der Religion gefragt wurde, mögen die meisten jüdischen Bürger womöglich auch noch gedacht haben, sie hätten ja nichts zu verbergen.