online-kosten.de: Tele2-Werbung besonders dreist

richter-stefan-kommentar

Wie der Online-Dienst Online-Kosten.de am 18.02.2007 berichtet, ist die Firma Tele2 auch den Verbraucherzentralen NRW und Bayern als besonders dreist aufgefallen. Wegen der – mir vor allem von zahlreichen Betroffenenberichten unter www.antispam.de bekannten – Praxis des Unternehmens, massiv unerbetene Telefonanrufe zur Kundenaquise einzusetzen, haben die Verbraucherzentralen gerichtliche Verfügungen gegen das Unternehmen erwirkt. Die Erklärung, man habe ja die Anrufe nicht selbst vorgenommen und zudem lägen von einem Adresshändler angekaufte Adressdaten mit wirksamen Einverständniserklärungen vor, habe dem Unternehmen in dem Verfahren nichts genützt.


richter-stefan-kommentarDiese Ausreden sind alt und faul. Es kann kein Zufall sein, dass die Behauptung von Zustimmungserklärungen immer wieder aufgestellt und von den Angerufenen bestritten werden. Wer hier an Zu- oder Einzelfälle glaubt, will nicht die Realität sehen. Auch mir selbst gegenüber hatte ein für seine unerwünschte Werbung berüchtigtes Lottoverkäuferunternehmen auf eine Abmahnung wegen unerwünschter Werbung für Lotterielose hin schon einmal eine Karte vorgelegt, die ich angeblich im Rahmen eines Gewinnspiels um ein Auto in Potsdam ausgefüllt haben sollte. Die Schrift konnte ich als Laie bereits als die einer etwa 40 – 60 jährigen Frau erkennen; genau auf dieses Alter hatte ich auch zuvor der Stimme nach die Anruferin geschätzt, die mir ihre tollen Lottolose – selbstverständlich eine einmalige Gewinnchance von irgendwas bei 96 Prozent – bei ihr erwerben könne. Der staatliche Lotterievertrieb hat mir gegenüber zwischenzeitlich strafbewehrt Unterlassung erklärt, nachdem ihm das Landgericht Berlin zuvor klargemacht hatte, dass es auf die Echtheit der Karte schon deshalb nicht ankomme, weil die Zustimmungserklärung im Kleingedruckten versteckt sei. Das Callcenter habe ich per Fangschaltung ermittelt und gerade ebenfalls auf Unterlassung verklagt. Obendrein liegt mir seit einer Woche wieder so ein ähnlicher Fall eines Mandanten auf dem Tisch, in dem das Unternehmen wahrheitswidrig erklärte, mein Mandant habe angeblich in Köln bei einer Autoverlosung teilgenommen und dabei eine Zustimmung zu Werbung erklärt. Unglaublich, wie weit manche Leute bereit sind, zu gehen, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, wenn man sie endlich erwischt hat. Ich denke nunmehr auch darüber nach, zukünftig in solchen Fällen routinemäßig Strafanzeige zu stellen.