heise online-news: Welle von Lockanrufen für 0137er Rufnummern zu Weihnachten

Kommentar

Heise Online berichtet, dass über Weihnachten massenhaft Lockanrufe unter Übertragung einer angeblichen Anrufernummer 0137-… stattgefunden haben. Hierbei handelt es sich um Rufnummern für Telefonabstimmungen, die bislang vorwiegend von Fernsehsendern benutzt werden, seit der stärkeren Regulierung der 0900er Mehrwertdiensterufnummen aber auch von immer mehr Gaunern als Ausweichmöglichkeit für ihre unsauberen Geschäfte genutzt werden. Ein Anruf auf einer 0137er Rufnummer kann mehrere Euro kosten. Berichte von Betroffenen sind in den Foren von computerbetrug.de und von antispam.de zu finden. Nach Auskunft der Rufnummerninhaberin Arcor AG, die die Rufnummer an eine Hamburger Firma weitervermietet habe, ermittele in dem Fall bereits die Kripo Osnabrück wegen gewerbsmäßigen Betruges.


KommentarEs ist unglaublich, wie lange der Gesetzgeber zugeschaut wird, wie ehrlichen Bürgern das Geld aus der Tasche gezogen wird. Nach Jahren von Abzocke und Betrug bei 0900er Rufnummern hat man zwischenzeitlich die Daumenschrauben deutlich angezogen. Die Weitergabe dieser Nummern an Dritte ist untersagt; die Zuteilungsnehmer lassen sich innerhalb von Sekunden auf der Webseite der Bundesnetzagentur abfragen. Ergebnis: Die Luft ist dünner geworden für Betrüger. Aber kein Problem, es gibt ja noch die MABEZ-Rufnummern (0137er) gibt. Da feiert die Abzocke fröhliche Urständ. Wie lange benötigt man diesmal, um dem Treiben Einhalt zu gebieten? Warum reagieren manche Staatsanwaltschaften teilweise so träge, andere dagegen sehr aktiv?

In Berlin stellte erst vor wenigen Tagen eine Staatsanwältin ein von mir angeregtes Ermittlungsverfahren wegen versuchten Betruges an meinem Mandanten durch 0137er Lockanrufe innerhalb von wenigen Tagen nach der Strafanzeige ein. Die Begründung war völlig substanzlos; eine Nachfrage wegen des Sachverhaltes erfolgte nicht. Angesichts des in diesem „Geschäftszweig“ angerichteten Schadens sollte jede Staatsanwaltschaft froh sein, wenn Bürger Hinweise auf derartige Straftaten geben und anbieten, weitere Erkenntnisse vorzutragen. Das Mindeste aber ist es, nachvollziehbar zu begründen, weshalb man denn im konkreten Fall die Strafbarkeit für nicht gegeben hält. Immerhin hatte das Landgericht Hildesheim – wie bereits berichtet – in einem Pinganruf-Fall die Strafbarkeit der Täter vereits ausdrücklich bejaht; der BGH hatte sogar die Aussetzung der Strafe für einen Mittäter auf Bewährung in einer Revisionsentscheidung gerügt. Guten Morgen, aufwachen, Staatsanwaltschaft Berlin!