10.
Mai
2010

Service-Hotlines: Kostenpflicht bei Warteschleifen bleibt weiter zulässig

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Die Bundesregierung hat einen Vorschlag der GRÜNEN abgelehnt, die gefordert hatten, die Kostenpflichtigkeit von Warteschleifen-Zeit zu untersagen.

In knapp 700 Testanrufen auf für Service-Hotlines geschalteten 0180er und 0900er Rufnummern hatten die GRÜNEN festgestellt, dass hohe Preise bis zu 3 Euro pro Minute als Entgelt verlangt werden und zwar für bis zu 18 Minuten Wartezeit. Die grüne Fraktionsvizechefin Bärbel Höhn wird hierzu laut golem von der Saarbrücker Zeitung wie folgt zitiert: "Lange Warteschleifen scheinen bei einigen Anbietern offenbar zum Geschäftsmodell zu gehören".


KommentarMit langer Wartezeit, also besonders schlechtem Service besonders viel Geld verdienen. Ein Geschäftsmodell, das offenbar Zukunft in Deutschland hat. Die Bundesregierung und allen voran die Bundesverbraucherschutzministerin Aigner machen sich vollkommen lächerlich.

Eine Kostenpflicht für reine Wartezeit auf derartigen Hotlines ist durch nichts, aber auch gar nichts zu rechtfertigen. Warum bitteschön soll ein Unternehmen dafür belohnt werden, dass es die Zeit seiner Kunden vertrödelt? Im Gegenteil: Die hingehaltenen Kunden sollten stattdessen  minutenweise bezahlt werden. Das hätte einen sinnvollen erzieherischen Effekt.

In diesem Teil des Marktsystems herrscht keinerlei Transparenz und also auch keine Vertragsfreiheit des vielbeschworenen mündigen Bürgers, sondern schlicht und einfach Wilder Westen. Für den Verbraucher ist weder die Länge des Gesprächs vorhersehbar, noch seine Ergiebigkeit. Je länger der Verbraucher ohne Ansprechpartner in der Leitung warten muss, desto lukrativer wird das Ganze für den Anbieter. Je länger der Verbraucher, desto größer ist ja auch die Hemmschwelle, dann aufzulegen, nachdem man ja schon so lange und so teuer gewartet hat. Großartig der emotionale Effekt, wenn man dann nach der ganzen Wartezeit obendrein noch aus der Leitung gekickt wird und neu wählen darf. 

Dabei reden wir noch gar nicht von der Tatsache, dass man bei vielen Hotlines von Personal bedient wird, das nicht wesentlich mehr Durchblick hat, als die Ratsuchenden. Kein Wunder wenn man weiß, wie manche dieser Hotlines tatsächlich aufgebaut und personell besetzt sind. Schöne neue Welt? Eher Raubritterei des Digitalzeitalters. Wer das als Gesetzgeber duldet, macht sich zum Kumpan einer miesen Abzockerei.

Wie man von der Regierungskoalition hört, wurde der GRÜNEN-Vorschlag zwar abgelehnt, man will aber noch in diesem Jahr einen eigenen Vorschlag unterbreiten. Es wird Zeit, dass Frau Aigner endlich handelt, statt Sonntagsreden zu halten. Nicht dass die Bürger das Gefühl haben, ihre Interesse befänden sich wieder einmal in einer ... na klar, Warteschleife.

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