09.
Feb
2010

Ermittlungen nach Gewinnspielbetrug: Deutschlands gerissenste Ermittler treten gegen das Gewinnspielkartell an

Hits smaller text tool iconmedium text tool iconlarger text tool icon
Falls noch jemand glaubt, die Gewinnspielmafia sei unbehelligt von Polizei und Staatsanwaltschaft, darf sich eines Besseren belehren lassen. Deutschlands intellektuelle Glanzlichter sind den Gaunern dicht auf den Fersen, wie man jetzt beim gemeinnützigen Verbraucherschutzverein Antispam e. V. weiß.
Ermittlerhelden Nr. 1: Hamburger Polizei
So wurde der Vorsitzende des Antispam e. V. am 13.01.2010 in dieser Eigenschaft von pfälzischen Ermittlern als Beschuldigter vorgeladen. Es solle um Betrug durch unberechtigte Abbuchungen gehen. Auf der Dienststelle stellte sich dann heraus, dass die Vernehmung im Auftrag der Hamburger Polizei stattfinden sollte, die den Antispam per Google-Suche als den aussichtsreichsten Kandidaten im Zusammenhang mit den Abbuchungen "gewürfelt" hatte.

Ermittlerhelden Nr. 2: Kriminalinspektion Mainz
Ein Einzelfall? Weit gefehlt! Am 09.02.2010 meldete sich nun die Kriminalinspektion Mainz. Diese mit allen neuen Medien vertrauten Schlitzohren fragen nun beim Antispam e. V. (Geschäftsstellenadresse: "An der Marlach 21, 67146 Deidesheim") per Fax mit folgender Adressierung
"Premiumchance 100
per Fax an (...)
An der Marlach 21
67146 Deidesheim"
an, weshalb bei der im Schreiben genannten Anzeigeerstatterin die in einer Anlage aufgeführte Beträge abgebucht worden sei, ob das Einverständnis der Geschädigten eingeholt worden sei, ob es Aufzeichnungen vom Einverständnis gebe und ob diese "benötigt" würde und wie die Kontaktaufnahme mit Frau W. erfolgt sei. Offenbar findet man die Internetseite antispam.de auf Platz 1 bei Google, auch wenn es um die Abzocker von "Premiumchance 100" geht.

Der Antispam e. V. hat sich nun jedenfalls an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden sowie an die Landespolitik gewandt und um Stellungnahme ob dieses Unsinns gebeten.
richter-stefan-kommentarDa frag ich mich: Zu faul oder zu dumm? Bestenfalls fehlt manchen Ermittlern wohl ein Grundkurs "Suche im Internet und kritische Auswertung von Suchergebnissen". Dem Antispam e. V. ist derweil wohl allmählich zu raten, ein zusätzliches Vereinsorgan allein dafür zu bestellen, um unfähigen Ermittlern Nachhilfeunterricht in den Basics der Verbrechensbekämpfung im Internet zu geben.

Es wird schwer werden, mit solchen polizeilichen Recken im Kampf gegen industriell arbeitenden Gewinnspielbetrüger und ihre Stroh- und Hintermänner auch nur einen einzigen Stich zu bekommen. So ist das halt, wenn der Staat kaputt gespart wird. Statt die Strafverfolgungsbehörden hinreichend personell und materiell auszustatten und zu schulen, betreibt man ja auch lieber sinnfreie Plakatpolitik wie bei Zensursulas jüngst plötzlich und unerwartet dahingeschiedenem Internetsperrgesetz.

So wird das alles nix. Nun ja, die Hoffnung stirbt zuletzt.
Diesen Artikel auf Ihrer Seite zitieren

Um einen Zitat-Link dieses Artikels zu erzeugen,
bitte nachfolgenden Text in Ihre Seite kopieren.




Preview :


Powered by QuoteThis © 2008

Verwandte Artikel:

Kommentare (2)
1Dienstag, den 09. Februar 2010 um 17:11 Uhr
nico
also wenn ich nach "Premiumchance 100" suche lande ich bei denen auf der seite, als hit 1 2 und 3 ...
Dienstag, den 09. Februar 2010 um 19:41 Uhr
RA Stefan Richter
Ich nicht, aber selbst wenn das so wäre: Darf ich nicht von einem Kriminalermittler erwarten, das er lesen kann? Darf ich erwarten, dass er erstmal schaut, was auf der Seite antispam.de besprochen wird und welches das Geschäftsfeld seines Tatverdächtigen ist? Darf ich erwarten, dass er zumindest mal grübelt, wenn da steht "gemeinnützig" und "Verbraucherschutz" und "Antispam". Darf ich bei Zweifeln vielleicht erwarten, dass er mal anruft, bevor er jemanden lädt und quasi als Beschuldigten befragt? ich hoffe doch, dass ich das noch erwarten darf in einem Rechtsstaat.
2Sonntag, den 14. Februar 2010 um 08:03 Uhr
Tut hier nix zur Sache
Da mittlerweile jeder/ jede sieben Jähriger/ Jährige mehr Ahnung vom Internet hat, sollte die Truppe mal ernsthaft Überlegen ( falls sie das kann) ihre Ermittler in den Förderkindergarten zu schicken. Vielleicht kann sie da ja lernen wie man richtige Internetrecherche betreibt.

Kommentar hinzufügen

Ihr Name:
Kommentar:
  Sicherheitscode zur Prüfung. Nur Kleinschreibung. Keine Leerzeichen.
Sicherheitscode-Prüfung:
  • 0
  • 1
prev
next

Stadt Heidenheim: Ist da überhaupt noch wer?

In Heidenheim hat man offenbar gemeinhin viel Spass bei der Arbeit. Mehr ...

Mittwoch, 2. Juni 2010

Lobbyismus: Auf ein Wort, Herr Pharmareferent ...

Ein großartiges Stück Realsatire lieferte kürzlich Ex-Titanic-Chef und heute-Show-Autor Martin Sonneborn in der ZDF-Sendung heute-Show, auf die der Kollege Markus Kompa in seinem lesenswerten Blog hinweist. Mehr ...

Freitag, 21. Mai 2010

Wikileaks: Video mit mutmaßlichem Kriegsverbrechen geleakt

Es ist ein Dokument eines unfassbaren Vorgangs. Sollte sich das Video als echt erweisen, dürfte es ein politisches Erdbeben auslösen. Das Massaker von My Lai während des Vietnamkrieges, die Foltervorfälle im Gefängnis von Abu Ghraib, die nie aufgefundenen Massenvernichtungswaffen im Irak  - erneut steht die US-Armee vor einem moralischen Scherbenhaufen.... Mehr ...

Montag, 5. April 2010

Absurditäten in einer (noch immer) geteilten Stadt

Die Lage des Haupteinganges des früheren Arbeitsplatzes kann für die Höhe des Arbeitslosengeldes relevant sein, so das Berliner Sozialgericht in einem Urteil, das wohl in die deutsche Rechtsgeschichte eingehen wird. Mehr ...

Donnerstag, 25. März 2010

Ermittlungen nach Gewinnspielbetrug: Deutschlands gerissenste Ermittler treten gegen das Gewinnspielkartell an

Falls noch jemand glaubt, die Gewinnspielmafia sei unbehelligt von Polizei und Staatsanwaltschaft, darf sich eines Besseren belehren lassen. Deutschlands intellektuelle Glanzlichter sind den Gaunern dicht auf den Fersen, wie man jetzt beim gemeinnützigen Verbraucherschutzverein Antispam e. V. weiß.... Mehr ...

Dienstag, 9. Februar 2010

Georg Schramm zur Causa Brender: Alles was dazu mal gesagt werden musste

Georg Schramm, Deutschlands wohl derzeit bester aktiver Kabarettist, servierte neulich wieder mal was ganz besonders Schwerverdauliches zum 25-jährigen 3Sat-Jubiläum zum Thema Brender. Einigen Gästen blieb ganz offensichtlich so manches Lachen im Halse stecken. Mehr ...

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Du heilige Einfalt! - OStAin zu Abofallen

Manchen Juristen sagt man ja manchmal etwas Lebensferne nach. Mal mit mehr, mal mit weniger Berechtigung. Den Vogel wurde aber in einem Interview von Oberstaatsanwältin Hildegard Becker-Toussaint mit dem ct-Magazin auf ct-tv Ende 2007 abgeschossen. Mehr ...

Dienstag, 1. Dezember 2009

DIREKTexpress Holding AG: Spam und Doppelmoral

Das Ulmer Logistikunternehmen DIREKTexpress Holding AG hatte dieser Tage besondere Unterhaltung zu bieten. Mehr ...

Sonntag, 24. Mai 2009

Auskunftsersuchen und T-Mobile-Reaktionen

Von dem Rosa Riesen und seiner hässlichen Tochter ist man ja allerlei gewohnt: Desorganisiert, planlos, gern auch mal selbst spammend. Mehr ...

Mittwoch, 22. April 2009

Lidl: Ein offenes Ohr für alle und alles

... Mehr ...

Dienstag, 7. April 2009

Lastschriften: Wo Ihre Bank besonders genau hinschaut

Ein Rechtsanwaltskollege aus Karlsruhe berichtete mir kürzlich Erstaunliches darüber, wie außerordentlich sorgfältig seine Hausbank im Umgang mit Lastschriften agierte. Mehr ...

Montag, 23. Februar 2009

Rabiat-Inkasso

Zu drastischen Inkasso-Methoden griff nach einer Meldung der Berliner Morgenpost vom 25.09.2008 ein Zahnarzt aus Neu-Ulm. Mehr ...

Donnerstag, 25. September 2008

Telefonmarketing konsequent - besser gleich zum Profi!

In den Grazer Haftanstalten Karlau und Jakomini arbeiten verurteilte Betrüger und Hochstapler mit Unterstützung des österreichischen Justizministeriums als Callcenteragenten und perfektionieren unter den Augen des Staates genau die Fähigkeiten, deretwegen sie einsitzen. Mehr ...

Mittwoch, 26. März 2008

Abgründe aus der Welt eines Verbraucherforums

Der Verein Antispam e. V. veröffentlichte kürzlich - anonymisiert - eine Auswahl der kuriosesten Anfragen, die über das Kontaktformular von www.antispam.de eingingen. Heraus kam eine Art grausiges "Best of Ticketsystem". Mehr ...

Dienstag, 25. März 2008